Fidya zahlen: Betrag, Berechnung und Zahlungsweg 2026
Der Ramadan läuft, und in der Familie steht die Frage im Raum, ob die Großmutter dieses Jahr fasten kann. Sie muss dauerhaft Medikamente nehmen, und Mahlzeiten auszulassen wäre riskant. Im Familienchat kursiert ein Betrag aus dem Herkunftsland, die Moschee nennt einen anderen Satz. In Deutschland gibt es keinen staatlich festgelegten Fidya-Betrag; Empfehlungen von Hilfsorganisationen können voneinander abweichen.
Haltet deshalb den Tagessatz fest, der zum Zeitpunkt der Zahlung für euch maßgeblich ist. So lässt sich später nachvollziehen, wie ihr den Gesamtbetrag berechnet habt und wofür die Zahlung bestimmt war. Der Rechenweg ist einfach: Zahl der nicht gefasteten Tage mit dem gewählten Tagessatz multiplizieren.
Inhaltsverzeichnis
- Wer Fidya zahlen muss und wann Nachholen gilt
- Fidya-Betrag nach nicht gefasteten Tagen
- So berechnen und dokumentieren Sie Fidya Schritt für Schritt
- Zahlungswege für Fidya und SadakaNow im Vergleich
- Typische Fehler und Fragen bei der Zahlung
Wer Fidya zahlen muss und wann Nachholen gilt
Fidya ist eine religiöse Ersatzleistung für Menschen, die wegen dauerhafter Krankheit, hohem Alter oder vergleichbarer Gründe nicht fasten können. Sie ist vor allem im Ramadan relevant, und sie ist keine pauschale Jahresabgabe.
Die erste Entscheidung ist deshalb nicht die Höhe, sondern der Grund. Dauerhafte Krankheit ohne Aussicht auf Besserung und hohes Alter, bei dem Fasten nicht mehr möglich ist, führen zur Fidya. Vorübergehende Krankheit und Reise führen je nach religiöser Bewertung meist zum Nachholen der Fastentage. Bei Schwangerschaft oder Stillzeit gibt es keine einheitliche Antwort. Diesen Fall klärt ihr mit der Moscheegemeinde, bevor irgendjemand einen Betrag festlegt.

| Fall | Fidya oder Nachholen | Hinweis |
|---|---|---|
| Dauerhafte Krankheit ohne Aussicht auf Besserung | Fidya | Betrag pro nicht gefastetem Tag |
| Hohes Alter, Fasten nicht mehr möglich | Fidya | Gilt bei dauerhafter Unfähigkeit |
| Vorübergehende Krankheit | Nachholen, je nach Bewertung | Nachholen der Fastentage prüfen |
| Reise | Nachholen (je nach Auslegung) | Fastentage nach dem Ramadan nachholen |
| Schwangerschaft oder Stillzeit | Mit der Gemeinde klären | Fall mit einer Moscheegemeinde klären |
Was die Höhe nicht festlegt
Für die konkrete Höhe gibt es keinen einheitlichen, staatlich festgelegten Deutschlandbetrag. Die Bemessung orientiert sich traditionell an der Versorgung einer bedürftigen Person mit einer Tagesration Grundnahrungsmittel pro nicht gefastetem Tag. Viele Gemeinden und Hilfsorganisationen rechnen diesen Sachwert anschließend in Euro um. Auslegung, Lebensmittelpreise, Verwaltungsmodell und Empfängerland erzeugen dadurch unterschiedliche Empfehlungen. Vor der Zahlung prüft ihr, welche religiöse Grundlage und welcher Tagesbetrag verwendet werden.
Eine belastbare nationale Statistik zu Gesamtvolumen, Anzahl der Fidya-Zahlungen oder durchschnittlichen Beträgen wird in den verfügbaren deutschen amtlichen Daten nicht separat ausgewiesen, auch nicht im Forschungsbericht des BAMF zum muslimischen Leben. Diese Lücke macht nachvollziehbare Angaben zu Betrag, Berechnungsjahr, Empfängergruppe und Weiterleitungsweg umso wichtiger.
Nicht mit Zakat verwechseln
Zakat ist eine verpflichtende Vermögensabgabe unter bestimmten Voraussetzungen. Fidya ist die Ersatzleistung für dauerhaft nicht erfüllbares Fasten. Wer beides im selben Ramadan schuldet, rechnet und zahlt getrennt. Eine andere Ersatzleistung, etwa bei einem gebrochenen Schwur, ist wiederum Kaffara spenden und folgt nicht demselben Tagessatz.
Praktische Regel: Fidya wird pro nicht gefastetem Tag und pro bedürftiger Person angesetzt, nicht als einmalige Jahreszahlung.
Solange der Grund vorübergehend ist, ersetzt Geld das Nachholen nicht. Erst wenn die Unfähigkeit dauerhaft ist, wird aus den gezählten Tagen ein Betrag.
Fidya-Betrag nach nicht gefasteten Tagen
Sie zählen sieben tatsächlich nicht gefastete Tage und möchten den Betrag festhalten, den Sie überweisen: Bei einem Tagessatz von 13 € ergibt das 91 €. Islamic Relief Deutschland nennt derzeit 13 € pro Tag und 390 € als Beispiel für 30 Tage. Für die eigene Rechnung zählt der Tagessatz, den Sie zum Zahlungszeitpunkt zugrunde legen.
Einen staatlich festgelegten Betrag gibt es nicht. Organisationen verwenden unterschiedliche Richtwerte. Die folgenden Vergleichssätze dienen der Veranschaulichung; der passende Satz hängt von der zugrunde gelegten Berechnungsmethode ab.
Drei Richtwerte in einer Tabelle
| Nicht gefastete Tage | Vergleichsrechnung bei 13 € | Vergleichsrechnung bei 10 € | Vergleichsrechnung bei 9 € |
|---|---|---|---|
| 1 Tag | 13 € | 10 € | 9 € |
| 7 Tage | 91 € | 70 € | 63 € |
| 10 Tage | 130 € | 100 € | 90 € |
| 30 Tage | 390 € | 300 € | 270 € |
Die Tabelle zeigt, wie sich die Summe aus Tageszahl und gewähltem Tagessatz ergibt. Bei sieben Tagen und 13 € sind es 7 × 13 € = 91 €. Bei zehn Tagen und 10 € ergeben sich 100 €. Ein anderer Satz verändert den Gesamtbetrag, nicht die Zahl der berücksichtigten Tage.
Den Satz am Zahltag festhalten
Halten Sie vor der Zahlung drei Angaben fest:
- Tage: die Zahl der tatsächlich nicht gefasteten Tage, für die Fidya angesetzt wird.
- Tagessatz: den verwendeten Betrag und, soweit angegeben, dessen Bezugsjahr und Berechnungsgrundlage.
- Zahlung: ob Sie gesammelt oder tageweise zahlen.
So lässt sich die Summe später nachvollziehen. Notieren Sie Datum, Tageszahl und Tagessatz etwa in Ihren Unterlagen oder in der Banking-App. Die Gesamtzahlung kann am Ende des Ramadan, täglich oder gesammelt zu Beginn erfolgen.
So berechnen und dokumentieren Sie Fidya Schritt für Schritt
Fidya ist nicht automatisch für jede ausgelassene Fastensituation anzusetzen. Deutsche Fachinformationen beschreiben sie primär für Personen, die wegen dauerhafter Krankheit oder hohen Alters nicht fasten können. Bei vorübergehenden Gründen kann stattdessen das Nachholen relevant sein, je nach religiöser Bewertung.

Nach dem zulässigen Fall wird pro Tag eine bedürftige Person angesetzt. Die Leistung kann Lebensmittel oder Geldwert sein. Historisch bestand sie in festgelegten Lebensmittelmengen, heute wird sie häufig über den Wert von zwei sättigenden Mahlzeiten berechnet, wie Muslimehelfen in den FAQ erläutert. Für Deutschland zählt die lokale Kaufkraft. Islamic Relief Deutschland leitet den Betrag aus den Kosten einer Mahlzeit im Land des Wohnorts ab und setzt ihn derzeit auf 13 €.
Die sechs Schritte
- Grund prüfen. Dauerhafte Krankheit oder hohes Alter muss vorliegen. Ein Infekt von wenigen Tagen oder eine Reise ersetzt das Fasten nicht durch Geld, solange Nachholen möglich bleibt.
- Tage zählen. Nur tatsächlich ausgelassene Tage. Ein voller Ramadan mit 30 Tagen ist nur dann die Basis, wenn wirklich kein Tag gefastet wurde.
- Richtwert zum Zahlungszeitpunkt notieren. Schreibt den Satz auf, zum Beispiel 13 €, plus Quelle und Datum. Steigt der Satz später, gilt für diese Zahlung der festgehaltene Wert.
- Summe bilden. Tage mal Tagessatz. Dreißig Tage mal 13 € sind 390 €. Sieben Tage bleiben bei der kleineren Summe, nicht bei einem Monatsbetrag.
- Zeitpunkt und Form wählen. Täglich, am Ende des Ramadan oder gesammelt zu Beginn. Jede Tagesrate bleibt einer bedürftigen Person zugeordnet, ob als Lebensmittel oder als Geldwert.
- Zweck und Beleg sichern. Der Empfängerzweck lautet eindeutig „Speisung Bedürftiger“. Speichert Quittung, Kontoauszug oder Bestätigung zusammen mit der Notiz zu Tagen und Satz.
Der zentrale Stolperstein ist die Vermischung mit der Kaffara. Fidya ist die tägliche Kompensation bei legitimer dauerhafter Unfähigkeit. Eine Kaffara ersetzt ihr nicht, indem ihr versäumte Tage einfach multipliziert.
Wer Grund, Tage, Satz und Zweck nicht in einem Satz erklären kann, ist mit der Rechnung noch nicht fertig.
Fünf Fragen vor dem Absenden
- Grund geprüft: Liegt dauerhafte Unfähigkeit vor, nicht ein vorübergehender Umstand?
- Tage gezählt: Steht die genaue Zahl der ausgelassenen Tage fest?
- Richtwert notiert: Sind Satz, Datum und Quelle festgehalten?
- Zweck festgelegt: Ist die Speisung Bedürftiger als Verwendung genannt?
- Beleg gespeichert: Liegt eine Bestätigung bei den Unterlagen der Familie?
Erst wenn alle fünf Antworten ja lauten, ist die Zahlung später belegbar.
Zahlungswege für Fidya und SadakaNow im Vergleich
Eine Gemeindequittung, eine Bestätigung der Hilfsorganisation oder ein Online-Zahlungsbeleg können die Zahlung dokumentieren. Der passende Weg hängt davon ab, wer die Empfänger prüft und wie klar der Verwendungszweck ausgewiesen ist.
| Zahlungsweg | Nachweis | Wer prüft den Empfänger | Wann sinnvoll |
|---|---|---|---|
| Sammelzahlung an eine Moschee | Quittung der Gemeinde | Gemeindevorstand | Wenn die Gemeinde Bedürftige kennt |
| Hilfsorganisation mit Fidya-Projekt | Spendenbestätigung | Organisation selbst | Wenn die Verwendung dokumentiert ist |
| Direkt an eine bedürftige Person | Eigene Notiz oder Kontoauszug | Sie selbst | Wenn Sie den Empfänger persönlich kennen |
| Online-Plattform SadakaNow | Zahlungsbeleg und Projektseite | Plattform und Hilfsorganisation | Wenn Sie Projekt und Betrag transparent wählen |
Bei einer Sammelzahlung sollte die Gemeinde den Zweck bestätigen und eine Quittung ausstellen. So lässt sich die Zahlung später zuordnen. Ohne schriftlichen Beleg bleibt nur die mündliche Zusage.
Eine Hilfsorganisation mit ausgewiesenem Fidya-Projekt kann die Verwendung in ihrer eigenen Struktur dokumentieren. Prüfen Sie, ob das Projekt den Zweck klar benennt. Ein allgemeines Spendenkonto macht die Zuordnung zur Fidya schwieriger.
Direkte Hilfe an eine bedürftige Person ist unkompliziert, verlangt aber eine eigene Aufzeichnung: Halten Sie Datum, Betrag und Zweck fest oder bewahren Sie den Kontoauszug auf. Sonst lässt sich die Zahlung später kaum von einem privaten Geschenk unterscheiden.
Online in fünf Handgriffen
Wählen Sie ein Projekt, dessen Verwendung zu Ihrer Fidya passt. Geben Sie den zuvor berechneten Betrag ein, wählen Sie eine angebotene Zahlungsart und speichern Sie die Bestätigung zusammen mit dem Tagessatz, den Tagen und dem Zahlungsdatum. So bleibt erkennbar, wie sich die Summe zusammensetzt.
Bei SadakaNow wählen Spenderinnen und Spender ein Projekt, geben einen Betrag ein und zahlen per SEPA, Karte oder PayPal. SadakaNow berührt die Spendengelder nicht. Sie werden treuhänderisch gehalten und direkt an die jeweilige Organisation ausgezahlt. Betrugsschutz, Geldwäscheprüfung nach § 4 GWG und SEPA-Mandatsprüfung laufen auf jeder Transaktion automatisch, in der Regel innerhalb von Sekunden. Die Kosten des Zahlungsdienstleisters werden im Spendenformular ausgewiesen.
Für digitale Zahlungen und die Ablage von Bestätigungen bietet der Überblick zum Online-Spenden per SEPA, Karte oder PayPal weitere Orientierung. Wer im Online-Banking Belege sortiert, kann sich ergänzend die Anleitung QR-Rechnungen über die Bank bezahlen ansehen.
Wählen Sie den Zahlungsweg nach Empfängerprüfung, Verwendungszweck und nachvollziehbarem Beleg.
Vor dem Absenden gleichen Sie Betrag und Tagessatz noch einmal mit Ihrer Tabelle ab. Bewahren Sie die Bestätigung so auf, dass beides später zusammen vorliegt.
Typische Fehler und Fragen bei der Zahlung
Die meisten Rückfragen entstehen nicht aus Unwissen über das Fasten, sondern aus einer Abkürzung bei der Zahlung.
- Auslandsbetrag ungeprüft übernehmen. Nutzt den deutschen Richtwert und notiert die Quelle, statt einen Satz aus einem anderen Preisniveau zu kopieren.
- Tage pauschal ansetzen. Zählt nur die ausgelassenen Tage. Ein voller Monat ist nur richtig, wenn wirklich kein Tag gefastet wurde.
- Zahlung ohne Verwendungszweck. Gebt einen Zweck wie die Speisung Bedürftiger an, sonst lässt sich die Überweisung später nicht zuordnen.
- Fidya und Zakat in einem Topf. Beides hat einen anderen Auslöser. Rechnet und zahlt getrennt, auch wenn beides im Ramadan fällig wird. Zur Festgabe am Monatsende passt eher der eigene Weg für Zakat al-Fitr.
- Fidya und Kaffara vermischen. Eine Kaffara entsteht nicht, indem ihr versäumte Tage multipliziert. Diesen Fall klärt ihr mit der Moscheegemeinde.
- Für eine andere Person zahlen ohne Absprache. Vorher Vollmacht oder klare Absprache klären, besonders wenn Kinder für ein Elternteil überweisen.
Drei Fragen aus der Praxis
Was passiert, wenn der Richtwert während des Ramadan steigt? Es gilt der Satz zum Zahlungszeitpunkt. Datum und Richtwert gehören auf denselben Beleg, dann ist die Summe auch bei einem späteren höheren Satz nachvollziehbar.
Kann man den Betrag auf mehrere Personen aufteilen? Pro Tag ist eine bedürftige Person vorgesehen. Die Summe lässt sich verteilen, solange jede Tagesrate einer Person zugeordnet bleibt und nicht in einem anonymen Sammelposten verschwindet.
Was tun, wenn die Zahlung nicht ankommt? Fragen zu Spenden und Zahlungsproblemen gehen an hilfe@sadakanow.de. Religiöse Einzelfragen, etwa Schwangerschaft oder ein Grenzfall zwischen Nachholen und Ersatzleistung, gehören in die lokale Moscheegemeinde, nicht in ein Zahlungsformular.
Auf SadakaNow wählt ihr ein geprüftes Hilfsprojekt, tragt den aus euren Tagen errechneten Fidya-Betrag ein und zahlt per SEPA, PayPal oder Karte, während der volle Spendenbetrag an die Organisation geht. So bleibt der festgehaltene Tagessatz mit Projekt und Bestätigung verbunden, statt in einem unbeschrifteten Dauerauftrag zu verschwinden. Wenn die Tage gezählt und der Zweck klar ist, könnt ihr die Zahlung direkt über SadakaNow anstoßen.